PRESSE
Heidnische Kulte und leere Kirchen

Gloria, die Wahrsagerin

Aus Szene Hamburg vom 1. Januar 1998 von Kirsten Schwieger

Gloria Heilmann von Bergen spart sich den Blick in die Folianten des Nostradamus. Die Hamburger Wahrsagerin liest ihre Prophezeiungen aus Karten oder den Händen ihrer Kunden. Karten allerdings sagen ihr mehr zu. Denn was kann sie ihrer weiblichen Klientel im Zeitalter der Pille schon prophezeien, wenn die Handlinien zwölfmal Nachwuchs versprechen? 200 Mark kostet die ein — bis zweistündige Sitzung, die die Wahrsagerin oft auch unter sozialarbeiterischer Lebensberatung verbuchen kann. „Menschen aller Schichten“, sagt sie, kämen zu ihr, wobei Frauen eher an Beziehungsfragen, Männer dagegen an Geschäftlichem interessiert seien.

Konkret passiert dann folgendes: Die Kunden mischen die Karten – in diesem Fall kein Tarot, und die Wahrsagerin Gloria deckt sie auf. „Danach plappert es nur so aus meinem höheren Bewusstsein heraus“, versichert sie. Mit Hilfe ihrer sensitiven Wahrnehmung könne sie praktisch die Zukunft fühlen. Weniger konkrete Ereignisse, sondern eher grundsätzliche Lebenswege, Eigenschaften und Verhaltensmuster. „Meine Beratungen regen die Patienten zum Nachdenken über ihr Leben an und decken Handlungsmöglichkeiten auf. Der große Rahmen für das Leben eines einzelnen ist nämlich schon gesteckt, dennoch spielen Eigenverantwortlichkeit und freier Wille eine große Rolle“, erläutert die Kartenlegerin. You’ll never walk alone, wie der St. Paulianer sagen würde, aber gehen mußt du schon selbst.

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Gloria Heilmann von Bergen
Gloria Heilmann von Bergen
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